Gedichte der Trauer
Eine Beerdigung ist immer eine unangenehme Sache. Egal ob es ein nahe stehender Verwandter war oder nur der Onkel eines Freundes. Die getrübte Stimmung stimmt einen oft selbst sehr nachdenklich. Um seine Anteilnahme zu zeigen, kann man ein paar Gedichte für die Beerdigung vorbereiten und mit der Poesie der Trauer dem Betroffenen ein bisschen Schmerz nehmen.
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: Es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke
Wo wird Einst der Wandermühen
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?
Werd ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?
Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier
und als Totenlampe schweben
nachts die Sterne über mir.
Heinrich Heine
Einschlafen dürfen, wenn man müde ist
und eine Last fallen lassen dürfen,
die man sehr lange getragen hat,
das ist eine köstliche, eine wunderbare Sache.
Hermann Hesse